Gartenkunst und Gartendenkmalpflege

Gärten mit barocker Pracht

Zeitreise ins 17. und 18. Jahrhundert: Zum sommerlichen Lustwandeln in Brokat und Seide haben die fürstlichen Eigentümer geladen. Mit ihren betörenden Parkanlagen zeigen sie ihre Macht und machen sich die Natur zum Untertan. Denn geometrische Formen und geschnittene Hecken, Sträucher und Bäume bestimmen die Gestaltung. Bunte Blumenbeete, sprudelnde Wasserspiele und eine göttliche Skulpturenwelt bringen eine leichte Verspieltheit in die Gärten. Ob in Hundisburg oder in Blankenburg (Harz) - die Imposanz und Kreativität der Barockgärten begeistert bis heute.

 

Wie gemalt: Landschaftsparks in Sachsen-Anhalt

Im deutlichen Gegensatz zur formalen Gestaltung in der Barockzeit wurden Parks im ausgehenden 18. und im 19. Jahrhundert als »begehbare Landschaftsgemälde« mit natürlichen Formen, idyllischen Szenerien und faszinierenden Sichtachsen geschaffen. Auslöser war das sich nachhaltig wandelnde Naturgefühl innerhalb der Epoche der Aufklärung: »Zurück zur Natur« lautete Jean Jaques-Rousseaus Aufruf, an dem sich die Parkgestaltung nun orientierte. In Wörlitz liegt die Quelle aller Landschaftsgartenkunst in Deutschland. Und so diente der Landschaftspark Wörlitz auch in Sachsen Anhalt als Vorbild für zahlreiche Parkanlagen und Parkumgestaltungen.

 

Das 20. Jahrhundert und die Gartenkunst

Für den Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Mischung von Gartenstilen typisch. Außerdem wurden architektonische Gärten und Volksparks modern. Rosarien – darunter auch die heute weltweit größte Rosensammlung, das Europa-Rosarium Sangerhausen – entstanden vielerorts. Nach 1945 wurden die Parks und die dazugehörigen Gebäude häufig umgenutzt, umgestaltet oder verwilderten. Trotzdem blieben viele Strukturen übrig – eine optimale Voraussetzung für Wiederherstellungen und Rekonstruktionen, die in ausgewählten Anlagen bereits in den 1960er Jahren begannen, in den 1990er Jahre ihre Fortsetzung fanden und im Rahmen des Projektes Gartenträume ab dem Jahr 2000 eine in Deutschland und Europa beispielgebende Umsetzung erfuhren.

 

Gartendenkmalpflege in Sachsen-Anhalt

Einen Schwerpunkt der Arbeit der Gartendenkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt bildet die fachwissenschaftliche Anleitung, Betreuung und Koordinierung von Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten in den denkmalgeschützten Gärten, Parks und Friedhöfen, sowie der gestalteten Landschaftsteile einschließlich deren Ausstattung im gesamten Land Sachsen-Anhalt. Im Rahmen der Benehmensherstellung mit den Denkmalschutzbehörden der Städte und Landkreise werden wissenschaftliche Gutachten und Stellungnahmen zu beabsichtigten Maßnahmen am Gartendenkmal erstellt. Weitere Aufgaben sind die fachliche Beratung der Denkmaleigentümer, Denkmalschutzbehörden und anderer Interessenten, die flächendeckende Inventarisation und damit verbunden die Bewertung und Feststellung der Denkmaleigenschaft, die enge Zusammenarbeit mit den Hoch- und Fachschulen zu speziellen gartendenkmalpflegerischen Themen, die Weiterbildung von Projektbeteiligten und die Öffentlichkeitsarbeit.

Das als Weltkulturerbe der UNESCO geschützte Dessau-Wörlitzer-Gartenreich mit seinen weitreichenden Fragestellungen zum Erhalt und Schutz der historischen Kulturlandschaft ist einer der Arbeitsschwerpunkte. Dazu zählt u.a. die kontinuierliche fachliche Betreuung bei der Entwicklung von Konzeptionen und Rahmenplanungen. Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist die wissenschaftliche Begleitung des Landesprojektes „Gartenträume“.

Die bundesweite fachliche Vernetzung erfolgt über die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe „Gartendenkmalpflege“ der Vereinigung der Landesdenkmalämter, sowie im Arbeitskreis „Historische Gärten“ der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V. (DGGL).