53. Gärten des Klosters und der Landesschule Pforta, Naumburg

Mit der Gründung des Zisterzienserklosters St. Marien zur Pforte im Jahr 1137 wurde der Grundstein für eines der bedeutendsten geistlichen und wirtschaftlichen Zentren des mittleren Saaletals gelegt. Über Jahrhunderte lebten die Mönche hier in asketischer Abgeschiedenheit und weitgehender Selbstversorgung. Nach der Auflösung des Kloster 1543 erfolgte durch Herzog Moritz von Sachsen die Gründung der Fürstenschule. Bis heute umschließen die vormaligen Klostermauern einen Ort der Bildung. Neben den repräsentativen Schulgebäuden des 19. Jahrhunderts sind vor allem der Schulpark, der historische Friedhof und die Lehrergärten spannende Zeugen einer ereignisreichen Geschichte.

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Klausur- oder Primanergarten
Kirche und Klausurgebäude datieren in die Gründungszeit des Klosters: in die Mitte des 12. Jahrhunderts. Der Garten der Klausur trägt den Namen Primanergarten. Nur die ältesten Schüler (die Primaner) durften sich in den Unterrichts-Pausen im eigentlichen Garten aufhalten. Heute befindet sich eine rund 200 Jahre alte Kastanie im Zentrum des Gartens, gepflanzt von Christian Gottfried Ehrenberg (1757–1826), Absolvent Pfortes, berühmter Mykologe und Paläontologe.

Historischer Friedhof
Vom einstigen Klosterfriedhof der Zisterzienser kündet ein seltenes kleines Bauwerk östlich der Kirche. Die so genannte Totenleuchte wurde im Jahr 1268 errichtet. Das turmähnliche Bauwerk in gotischem Stil beherbergte das Ewige Licht, das abends entzündet und somit den Verstorbenen auf dem Friedhof zuteilwurde. Die mittelalterlichen Bestattungen aus der Klosterzeit sind nicht mehr vorhanden. Heute überwiegen Grabsteine des 19. und 20. Jahrhunderts – vor allem die von ehemaligen Schülerinnen und Schüler sowie mit der Landesschule eng verbundenen Personen.

Lehrergärten
Entlang der südlichen Klostermauer erstrecken sich fünf Lehrergärten. Sie sind in Parzellen gegliedert und im Bodenniveau um einiges höher. Hohe Mauern oder Zaunanlagen sorgen dafür, dass sie nicht einzusehen sind. Bis in das 20. Jahrhundert lebten Rektor, Lehrer und Mitarbeiter der Landesschule mit ihren Familien auf dem Schulgelände. Die Eigenversorgung wurde durch den Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern gewährleistet. Die Lehrergärten sind derzeit derzeit nicht öffentlich zugänglich.

Schulpark
Der heutige Schulpark entstand um 1825 auf zuvor landwirtschaftlich genutzten Flächen, möglicherweise auch mit Fischteichen. Erst ab 1785 war er für Schüler zugänglich. In den 1820er Jahren plante die Schule eine komplette Neugestaltung des Schulgartens. Entwürfe des Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné wurden aber aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt. Dennoch entstand eine Parkanlage nach seinen Vorstellungen und Ideen – ein englischer Garten. Die in dieser Zeit (1825) gepflanzte Platane prägt die Ansicht und die Anmutung des Schulparks bis heute. Sie gilt aufgrund ihres Kronendurchmessers als drittgrößte Platane Deutschlands.

Kräutergarten und Obstwiesen am Besucherzentrum
Neben einem streng asketischen Leben war für die Zisterzienser die wirtschaftliche Autarkie zentraler Bestandteil ihres Daseins. So sind der Anbau und die Verarbeitung von Obst, Gemüse und Kräutern zur Selbstversorgung großflächig innerhalb und später auch außerhalb der Klostermauern eine sichere historische Tatsache. Diese Tradition ist seit 2014 neu erlebbar: Ein Kräuter- und Blumengarten, eine Obstwiese mit historischen Sorten sowie Weinreben laden zum Entdecken ein. Hier wachsen ausschließlich Pflanzen mit klösterlichem Bezug – von Apfel und Birne bis hin zu Quitte, Mirabelle und Mispel.

Zum Vorfreuen: Der Meistergarten von Pforte (ab 2028)
Mit dem Meistergarten von Pforte strebt die Stiftung Schulpforta einen Garten neuer Qualität an. So wird dieser auf einem Gelände angelegt, das über die Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart nachweislich gärtnerisch genutzt wurde. Die orthogonale Struktur des neuen Gartens, die Öffnung eines Kanals als Wasserlauf und vor allem der Anbau nachweisbar historischer Obstsorten werden den Garten mit einer Vielzahl von Nutzungsebenen versehen. Das Sortenspektrum des Borsdorfer Apfels wird im Garten implementiert. Es wird eine „vitale Sammlung alter Sorten“ sein, welche beispielgebend kulturelles Erbe bewahrt.


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