30. Schloss, Schlossgarten und Wallpromenade Zerbst
In Zerbst verschmelzen ein weitläufiger Landschaftspark und eine grüne Wallpromenade zu einem einzigartigen Ensemble. Im Zentrum des Schlossgartens steht der in Teilen erhaltene Ostflügel des barocken Zerbster Schlosses, einst Wohnort von Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, die später als Katharina die Große in die Geschichte einging. Entlang der ehemaligen Stadtmauer lässt sich die historische Innenstadt vollständig auf grünen Wegen umrunden.
Die Ursprünge des Schlossgartens liegen vermutlich im späten 17. Jahrhundert, als im Zuge des barocken Schlossbaus zunächst streng gestaltete Gartenanlagen südlich und nördlich des Schlosses entstanden. Mit dem Übergang Zerbsts an Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, den "Grünen Fürst", im Jahr 1783 begann eine neue Epoche. Die barocken Gärten wurden schrittweise in einen Landschaftsgarten umgestaltet, der deutliche Parallelen zu den Dessau-Wörlitzer Anlagen aufweist. Dabei entstanden Gartenräume, die sich sensibel auf die vorhandene barocke Architektur beziehen. Auffällig ist der Verzicht auf figürlichen Schmuck und klassische Sichtachsen – ein Hinweis auf ein bewusst reduziertes Spätwerk von Fürst Franz. Lediglich die sogenannte Grotte hebt sich als typisches Bauwerk des Landschaftsgartens hervor. Der gestalterische Geist Fürst Franz’ ist bis heute spürbar und wurde auch von seinem Enkel bewahrt, der sich der Pflege dieses kulturellen Erbes widmete.
Der Schlossgarten ist Teil des die Stadt umgebenden grünen Walls. Bereits ein Stadtplan von 1716 zeigt die mittelalterlichen Befestigungsanlagen mit ersten Bepflanzungen. In den Jahren 1820 bis 1824 wurden die Wälle eingeebnet und in großzügige Promenaden umgewandelt. Es entstanden Wege, gesäumt von Obstbäumen, exotischen Gehölzen, Sträuchern und Blumenbeeten, die die Stadt fortan ringförmig umschlossen. Eine Erweiterung der Anlagen erfolgte im Jahr 1858.
2026 wird die Wallpromenade im Rahmen eines umfassenden Klimaanpassungsprojekts behutsam saniert und weiterentwickelt. Große Bereiche werden wieder zugänglich gemacht und neu gestaltet. Dabei entsteht unter anderem ein Klostergarten, der das historische Ensemble um eine weitere attraktive Gartenanlage bereichert.
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