13. Schloss, Schlosspark und digitaler Renaissancegarten Hessen, Osterwieck
Zur Ortschaft Hessen in Osterwieck gehören nicht nur eine imposante Schlossanlage und ein malerischer Landschaftspark. In der Kulturscheune des Schlosses spazieren die Gäste mit ihren Augen durch einen der bedeutendsten Renaissancegärten Deutschlands. Das dreidimensionale Filmerlebnis zeigt den prachtvollen Lustgarten Hessen.
Hessen gehörte ab 1343 für über 600 Jahre zum Herzogtum Braunschweig. Die Braunschweiger Wolfenbüttler Welfendynastie veranlasste ab 1543 durch umfangreiche Um- und Anbauten, dass aus der mittelalterlichen Wasserburg Hessen ein prachtvolles Renaissanceschloss entstand, dass von 1560 bis etwa 1670 als Sommer- und Nebenresidenz des Wolfenbüttler Hofstaates und als Witwensitz für drei Herzoginnen diente. In die Geschichte eingegangen ist jedoch nicht dieses Schloss, sondern der dazugehörige Lustgarten aus der Renaissancezeit.
Royer beschrieb den Garten 1648 in seinem Werk „Beschreibung des gantzen Fürstlichen Braunschweigischen Gartens zu Hessem“ ausführlich. Seine Beschreibung nennt elf Gartenquartiere und dokumentiert eine außergewöhnliche Pflanzenvielfalt von rund 1.700 bis 1.800 Arten. Die streng gegliederte Anlage mit Gartenquartieren, Wegen, Laubengängen, Zier- und Nutzpflanzungen sowie Wasserelementen gehört zu den besonders gut dokumentierten Renaissancegärten Deutschlands. So würdigte der Schweizer Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian (1593-1650) die Schloss- und Gartenanlage in in seinem 16-bändigen Werk „Topographia Germaniae“ mit drei Kupferstichen.
Nachdem das Interesse der Welfen an Schloss und Garten nach dem 17. Jahrhundert nachließ, wurde der Lustgarten aufgegeben und später landwirtschaftlich genutzt. Von der historischen Gestaltung ist heute oberirdisch nur noch wenig zu erkennen. Das Areal blieb jedoch als Bodendenkmal erhalten: Archäologische Untersuchungen haben unter der Grasnarbe zahlreiche Befunde und Gestaltungselemente des ehemaligen Gartens nachgewiesen. Die Grabungen, historischen Pläne, Royers Beschreibung und der Merian-Stich bilden gemeinsam die Grundlage für die heutige virtuelle Rekonstruktion. Die aufwendig erarbeitete 3D-Animation führt durch Gartenquartiere und Laubengänge und vermittelt in einer 180° Rundprojektion einen Eindruck von der einstigen Anlage.
Der unmittelbar angrenzende Landschaftspark entstand aus dem ehemaligen Küchengarten und wurde vor rund 250 Jahren als Landschaftsgarten gestaltet. Sein alter, teilweise bemerkenswerter Baumbestand prägt das heutige Erscheinungsbild der Anlage.
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