38. Wallanlagen der Lutherstadt Wittenberg
Die Wittenberger Wallanlagen sind aus den ehemaligen Festungsanlagen der Stadt hervorgegangen. Teile des Glacis als ehemaliges Festungsvorfeld und die Festungsgräben waren Bestandteile der historischen Stadtbefestigung. Sie wurden ab 1873 mit Befehl der Entfestigung der Stadt unter der Leitung von Friedrich Karl Timotheus Eunike (1831–1892) und seinem Nachfolger Paul Leonhardt (1852–1927) als städtische Parkanlagen in Form eines Grünen Rings um die Altstadt nach Vorbild englischer Landschaftsparks und der um 1900 aufkommenden Volksparkbewegung gestaltet.
Ab 1878 verwirklichten die beiden Stadtverordneten ihre gestalterischen Ideen: Mit über 200 Gehölzarten, Parkbauten, Wegen und Wasserläufen schufen sie Szenerien, die zum Flanieren einluden und legten den Grundstein für einen Grüngürtel, der die historische Altstadt umschließt, bis heute als Erholungsraum dient und zugleich ein einzigartiges Gartendenkmal von kulturhistorischer Bedeutung darstellt.
Die Parkgestaltung bezog sich im Wesentlichen auf die ehemaligen Grabenbereiche, so dass, obwohl im Laufe der Zeit enorme Mengen an Erdmassen zum Anheben des Niveaus verbaut wurden, noch heute die Geländemodellierungen mit Höhenunterschieden von bis zu 12 m prägend sind. Das Wegesystem besteht aus Haupt- und Nebenwegen, die sowohl die Wallanlagen an sich erschließen als auch die Altstadt mit den Parkanlagen und darüber hinaus die angrenzenden Stadtteile verbinden. Typisch sind intensiv gestaltete Abschnitte entlang der Hauptwege mit Rasenflächen, Sitzbereichen, Denkmalen und Strauchpflanzungen, ein malerischer Altbaumbestand, weniger intensiv gestaltete, teilweise waldartige Bestände auf den Böschungen, sowie offene Rasen- und Wiesenbereiche. Dazu kommen in einzelnen Arealen offene Wasserflächen in Form von Gräben, die sich teilweise zu Seen und Teichen ausweiten.
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