29.06.2011

Ein weiterer Gartentraum: Übergabe der Schlossterrasse in Stolberg/Harz

Im Beisein von Anja Wöbken, Stellvertretende Bürgermeisterin, und Lydia Seiler vom Vorstand des Vereins „Gartenträume - Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ werden mit dem Durchtrennen des roten Bandes die Maßnahmen zur Wiederherstellung des historischen Terrassengartens als Station des Netzwerks „Gartenträume“ abgeschlossen, in das Stolberg aufgenommen wurde.
Die umfangreichen Arbeiten über mehr als 1 Million Euro zur touristischen Erschließung der Südterrasse von Schloss Stolberg wurden als Maßnahme des Bund-Länder-Programms „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ maßgeblich durch das Wirtschaftsministerium des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.
Zu den Maßnahmen gehörten neben den Arbeiten an der Südterrasse, dem Terrassengarten und der Restaurierung des barocken Pavillons auch die Wiederherstellung der mächtigen Hangmauern an der Waschbergstraße, die Wiederherstellung der Zuwegung zur Südterrasse bis hin zur Herstellung der erforderlichen Parkplätze beim Rittertor.
Die Gestaltung der Südterrasse erfolgte auf der Grundlage der Gestaltung des Privatgartens der Fürsten zu Stolberg durch den seinerzeit bekannten und erfolgreichen Gartenarchitekten Heinrich Wiepking-Jürgensmann um 1937. Im östlichen Teil der zweigeteilten Südterrasse umgibt eine hohe Hainbuchenhecke das mit Sandsteinplatten umgebene Wasserbecken. Es diente ursprünglich sowohl als Löschwasserbecken und Swimmingpool als auch mit seinem ruhigen Wasserspiegel als wichtiges gestalterisches Element. Durch drei Stufen leicht erhöht liegt dahinter der auf mittelalterlichen Kellergewölben erbaute zweigeschossige barocke Pavillon. Jenseits des wieder in der historistischen Fassung des 19. Jahrhunderts restaurierten Pavillons beginnt der westliche, der gärtnerisch gestaltete Teil der Südterrasse. Zum Tal hin schirmt ihn ebenfalls eine hohe Hainbuchenhecke ab, hier jedoch mit breiten Sichtöffnungen. Durch die Ein- und Durchblicke ergibt sich ein interessantes Wechselspiel mit der Silhouette der Stadt sowie der zauberhaften - ebenfalls gestalteten - Kulturlandschaft im Umfeld. Eine Rasenfläche, befestigte Wege und ein höhengestaffeltes, prachtvolles Staudenbeet, derzeit mit Pfingstrosen, Schwertlilien, Ehrenpreis und Klatschmohn, den bereits 1937 verwendeten Pflanzen, sowie an Spalieren gezogene Kletterrosen bestimmen nun wieder das Bild zum Schloss hin. Die Bepflanzung erfolgte in Analogie zu anderen Projekten Wiepking-Jürgensmann, da der Originalpflanzplan nicht mehr vorhanden ist.
Neu hinzugekommen sind nun auch Bänke, die es in einem Privatgarten natürlich nicht gab. Aufgrund seiner Vielgestaltigkeit wirkt der eigentlich recht kleine Garten repräsentativ und intim zugleich, hat Wiepking-Jürgensmann doch gestalterisch eher für Villengärten der Zeit typische Elemente auf den Garten des Residenzschlosses übertragen.
Das Stolberger Schloss, vom 12. Jahrhundert bis 1945 Sitz der Grafen bzw. später der Fürsten zu Stolberg-Stolberg, wurde in der Renaissance zu einer mächtigen Dreiflügelanlage mit Nebengebäuden ausgebaut, die im 18. Jahrhundert in schlichten barocken Formen erneuert wurde. 2002 ging das Schloss in das Eigentum der Deutschen Stiftung Denkmalschutz über, die Gebäude und Gartenanlage seither schrittweise instand setzt und restauriert.

Bonn, den 23. Juni 2011/Schi